Informationsveranstaltung 2018

Nach den  Infoveranstaltungen der letzten Jahre, wie Industriemuseum, Archäologiemuseum und Community Arena stand in diesem Jahr ein wesentlich sensibleres Thema, der Lern- und Gedächtnisort „Kaßberggefängnis“, kurz „Stasigefängnis“ auf dem Veranstaltungsplan.

Das große Interesse zeigen allein die mehr als 50 Teilnehmer an der Führung. Die Teilnehmer schätzten sehr, außerhalb der einmal jährlich stattfindenden „Museumsnacht“, ohne längere Wartezeit eine Führung erleben zu dürfen.

Eingang zum Lern- und Gedenkort

Viele der Teilnehmer hatten bislang nicht gewusst, dass die Geschichte der Haftanstalt mit der Entwicklung von Chemnitz einhergeht. Bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstand der Komplex aus Haftanstalt, Staatsanwaltschaft sowie Land- und Amtsgericht. Im Fokus des Infotages standen aber nicht die Zeitspannen vor und nach dem 1. Weltkrieg, die NS-Zeit oder die NKWD-Zeit (Geheimdienst der Russischen Besatzungszone), sondern die Nutzung speziell eines Komplexes / Gebäudes innerhalb des 25.400 m² großen Areals, welches  als Gefängnis des Ministeriums für  Staatssicherheit  (Stasi  — In- und Auslandsgeheimdienst der DDR) genutzt worden ist.

einer der Zellentrakte

In der Bevölkerung war das gesamte Areal als Gefängnis- bzw. Untersuchungshaftanstalt bekannt, aber nicht als Stasigefängnis. Nur Bedienstete der Haftanstalt und Wachpersonal  wussten über Art und Weise Bescheid.  Häftlinge/ Insassen, die aufgrund gescheiterter Fluchtversuche, offener  Kritik an der SED-Herrschaft, tatsächlicher oder vermeintlicher Spionage  mit der Staatssicherheit  Kontakt/ Berührung kamen, wussten mehr, hüteten sich aber darüber zu  sprechen oder gar zu informieren.

Während der Führung, die durch 3 ehemalige Insassen/ Zeitzeugen (nicht nur in der Karl-Marx-Städter Haftanstalt) durchgeführt wurde, gab es  Einblicke in das Weshalb und Warum sowie den Alltag und Ablauf in Stasigefängnisse.
Was auch erst nach der Wende publik wurde, ist der Umstand, dass nur aus Karl-Marx-Stadt heraus der „Gefangenenaustausch“ mit der ehemaligen Bundesrepublik durchgeführt wurde. Die infrage kommenden Häftlinge aus der gesamten DDR  wurden in der Karl-Marx-Städter Stasi-Haftanstalt über einen Zeitraum hinweg

Tor in die Freiheit

konzentriert und dann mit Bussen („Gefangenentransporten“) über den Grenzübergang Marienborn  in die BRD gebracht. Im Nachhinein wurde auch bekannt, dass im Zeitraum von 1963 bis 1989 über 31.775 Häftlinge so die DDR verlassen haben und die BRD Lösegeld in Höhe von mehr als 3 Milliarden D-Mark entrichtete. Eine Übersicht zeigt, dass im Zeitraum von 1982 bis 1989 durch die DDR ein „schwunghafter Handel“  zum Erhalt von D-Mark (Devisen) aufgebaut worden ist.

Nach der nahezu 1-stündigen Einführung durch Herrn Bürger und der Darlegung von Haftgründen, der Haftdurchführung  und den Repressalien die die  Häftlinge erleiden mussten, stand noch ausreichend Zeit zur Verfügung, die einzelnen  Zellen und Haftbereich zu besichtigen.

Am Ende muss ich doch feststellen, dass bei mir ein recht beklemmendes Gefühl zurückgeblieben ist.

Verwendete Quelle:  Broschüre „Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis“

U.G.

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